An hellen Tagen

In den letzten Tagen fahre ich sehr gerne Auto. Das ist ungewöhnlich, denn die Saison ist vorbei und meine alte S-Klasse steht in der Garage. Ich fahre also mit der Beule, der ich mich sonst strikt verweigere und bei anstehenden Fahrten meine Frau das Steuer übernimmt. Hergestellt wurde die Beule von dem Autofabrikanten Mazda. Das Gefährt ist gelinde gesagt eine Zumutung: Winzig klein, indiskutable Rundumsicht, bedrückendes Klima, peinliche verdunkelte Scheiben im Heck und nicht mal Automatik. Von Außen betrachtet sieht der Wagen so unmöglich aus, dass man am Liebsten mit geschlossenen Augen auf ihn zugehen möchte.
Dennoch fahre ich in den letzten Tagen ganz gerne damit. Ich habe nämlich ein Nebenprojekt in seinem Autoradio am Laufen. Dieses Projekt ist die neue CD von Etage.2. Einer befreundeten Musikgruppe aus Hannover in der ich auch mal eine zeitlang mitspielen durfte. Lange lag der Tonträger auf unserer Kommode im Wohnzimmer. Ich kam nicht dazu, mir die neuen Stücke mit der gebührenden Aufmerksamkeit anzuhören. „So nebenbei“ hören kam und kommt für mich nicht in Frage.
Irgendwann habe ich sie dann mit in die Beule genommen, es stand eine längere Fahrt an und ich hatte mir vorgenommen dabei der CD zu lauschen. Daraus wurde dann aber nichts, da meine Frau und ich uns über diverse Themen unterhalten haben, unser Sohn auch seine Fragen zur Welt hatte und so die Fahrt musiklos zu Ende ging. Vor ein paar Tagen war es dann aber soweit: Auf der Suche nach einer Parkscheibe in den unmöglichen Seitentaschen der Beulentür stieß ich wieder auf die CD.
Seitdem erklingt die CD bei jeder Fahrt. Manchmal schaffe ich nur 1 Lied, oft aber mehrere. Es ist schon vorgekommen, dass ich noch einen Schlenker gefahren bin, um ein Lied bis zum Ende hören zu können. Besonders gefällt mir das Lied Nummer 3: Deine Stimme. Das höre ich gerne zweimal nacheinander, weil es so gut ist. Irgendwie passt diese CD genau in den November, oder besser gesagt in die Stimmung vom November. Und die Stimmung der CD ist es, die mich immer wieder ins Auto zieht, die mich abtauchen lässt in die Welt der Etage.2 – und die mich versöhnt mit der Beule. Denn mit dieser CD wird alles auf der Welt wieder gut und hoffnungsvoll.

Etage.2 – An hellen Tagen
erscheint auf dem Label eve’s apple music production
bezogen werden kann sie über die Bandseite www.etage-2.de

 

Ich komm um zu kündigen

„Guten Morgen Herr – ah nicht so wichtig, ich wollte Ihnen nur – bleiben Sie ruhig sitzen
ich wollte nur sagen es ist wirklich alles in Ordnung, kein Grund zur Besorgnis
dieser Laden ist ein Haufen Mist und ich komm um zu kündigen.“
Bernd Begemann

CAD – Computer Aided Design. Computerunterstütztes Zeichnen. Da bin ich ziemlich gut drin. Sehr schnell, sehr genau. 1999 habe ich mir das beigebracht, während meines Studiums an der FH für Gestaltung. Nun bin ich Dipl.-Ing. Innenarchitektur. Als gelernter Tischler konnte ich mein Studium verkürzen.
Seit 2004 entwerfe ich Ladeneinrichtungen. Erst nur Bäckereien und Restaurants, dann auch Arztpraxen und Privatwohnungen, zuletzt Supermärkte. Premium-Märkte, wie es bei uns in der Branche heißt. Edeka, Rewe, Hit. Auch da bin ich ziemlich gut drin. Und dafür brauche ich CAD. Also eine ideale Voraussetzung die kommenden Jahre in einem unbefristeten, gut bezahlten Job mit Weihnachts- und Urlaubsgeld, unser Schiff sicher in den Hafen zu lenken.
Nur leider bin ich etwas unmodern. Konservativ fast schon. Ich habe Werte, innere Werte: Verbindlichkeit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit. Und ich habe ein Gewissen. In den letzten Jahren bin ich jedoch immer müder geworden. Weil meine Werte langsam eingeschlafen sind. Und mit ihnen bin ich selbst eingeschlafen.
Zu oft mussten meine Werte im Büroalltag und in der Kommunikationen mit meinem Weiterlesen

Süßes oder Saures

ZitronenVor unserer Tür stehen drei Grundschüler in Alltagskleidung. Sie tragen Stoffbeutel in Ihren Händen. Es ist Abend. Als ich die Tür öffne nuschelt einer Richtung Boden „Süßes oder Saures“.
Ich rufe Mika aus der Küche, ob wir Süßes oder Saures haben. Mika kommt mit einem Teller frisch aufgeschnittener Zitronen zur Tür.
„Was ist das?“, fragt ein Grundschüler. „Zitronen“, sage ich. Und dann, nachdem bei dem Jungen nichts reagiert: „Etwas Saures.“ Die Jungen nehmen also die Zitronenstücke und sind kurz davor, diese in Ihre bereits vollen Stoffbeutel zu stecken. „Die sind zum gleich essen.“, sage ich. „Ah. Sauer“, sagen die Jungs beim Weggehen.
Ob sie den Witz verstanden haben, weiß ich nicht. Wir haben den Witz jedoch noch drei mal gemacht. Mika und ich haben uns köstlich amüsiert. Es war Mikas Idee. Ich fand sie grandios!
Dieses lächerliche Halloween. Da kommen doch tatsächlich Kinder zu unserer Tür und wollen „Süßes Geld“ von uns. Nicht mal verkleidet sind die. Welche Eltern schicken die eigentlich los auf die Straße? Vermutlich sind das die Eltern, die sich insgeheim erhoffen ihre Kinder bringen Kippen mit. Naja. Bei uns gibt es an Halloween jedenfalls Zitronen.