Spitze Namen

In meinem Bekanntenkreis häuft sich die Anzahl der Menschen die einen Spitznamen tragen. Sie hören auf klangvolle Namen wie As, Stone, Chekov, VB Kühl, Flow, Gustl, Kiddy, Treppchen, Schratze, Muffi, Lupo, Düse. Mich selbst eingeschlossen: wena.
Das ist lustig. Es klingt wie Decknamen oder wie Agenten in einem Kinderspiel. Interessanterweise handelt es sich bei den Leuten ausschließlich um Männer. Bei Frauen habe ich dieses Phänomen bisher nicht beobachten können.
Entweder werden diese Namen durch äußere Einflüsse, Verhaltensweisen oder optische Merkmale vergeben – oder die Person benennt sich selbst aus zu akzeptierenden Gründen mit einen vermeintlich cooleren Namen um.
Der Ursprung meines Spitznamens liegt in meiner Kindheit, vermutlich der Grundschulzeit. Damals wurden mein Bruder und ich die Wehners genannt. Einzeln angetroffen waren wir unabhängig voneinander Wehner. „Da kommt Wehner. Lass uns mal abhauen.“, hieß es oft. Meine Eltern mochten diese jugendliche Redensart nicht. Für sie klang es abwertend und unhöflich. Ich hatte lange Zeit keine Meinung dazu.
Irgendwann klang für mich Wehner eindeutig ausgefallener und sogar besser als Stefan. Und da in meinem Jahrgang Stefan unter den Top 5 auf der Liste der beliebtesten Weiterlesen

Entschuldigung, ich möchte eine Gitarre kaufen.

Gute 6 Wochen verbringe ich nun als Musikalienhändler einen großen Teil des Tages, der sich durch die Erlebnisse und die gewonnene Lebenserfahrung weit über den reinen Arbeitstag hinaus dehnt.
Meine bisherige Arbeit ist fast schon in Vergessenheit geraten, so selbstverständlich und natürlich fühlt sich der neue Zeitvertreib an. Habe ich vor 2 Monaten noch stundenlang vor 3 Monitoren gesessen und in Grundrissen auf dünne Linien vor schwarzem Grund gestarrt, bin ich nun permanent in Bewegung – physisch und psychisch.
Ich lerne Menschen und Situationen kennen, die mich bereichern, amüsieren, erheitern, aufregen, erregen und nachdenken lassen. Kurzum: Die Emotionen wecken.
Da ist der ältere Herr mit schütteren Händen, der eine alte Framus-Gitarre zu Hause hat und mir diese zum Ankauf anbietet: „Früher wollte ich sie immer spielen, aber ich hatte keine Zeit. Soviel Arbeit. Na, und nun bin ich zu alt. Meine Hände wollen nicht mehr. Irgendwann ist es zu spät etwas anzufangen.“
Leider handeln wir nicht mit gebrauchten Instrumenten. Aber ich biete ihm an, seine Gitarre hier im Laden für ihn zu fotografieren und einen Aushang zu machen. Seine Augen leuchten und lächelnd bedankt er sich.
Oder ein Ehepaar der ähnlichen Generation: „Entschuldigen Sie, wir haben da eine Frage. Weiterlesen