Licht aus

Neulich ging bei mir das Licht aus. An einem Morgen im August konnte ich plötzlich mit meinem linken Auge nichts mehr sehen. Herzrasen, Atemnot und Panik. Meine Frau war schon aus dem Haus und ich griff zum Telefon um meinen Augenarzt anzurufen. Der war allerdings im Urlaub und sein Anrufbeantworter verwies auf seine Vertretung in Notfällen. Die Sprechstundenhilfe seiner Vertretung fragte mich als Erstes, ob ich denn auch ein Notfall sei. „Ich denke schon.“, erwiderte ich. „Da ich nämlich auf meinem linken Auge nichts mehr sehen kann.“
„Wie lange haben Sie das schon?“, fragte die Dame am Apparat.
„Seit heute Morgen.“, antwortete ich.
„Und ist es denn wirklich dringend? Wir sind nämlich schon sehr voll in der Praxis.“, vergewisserte sie sich.
„Ja, ich denke es ist dringend.“, bestätigte ich. „Denn ich kann auf meinem linken Auge nichts mehr sehen. Wenn Sie verstehen was ich meine. Und mit nichts mehr sehen meine ich, ich KANN NICHTS MEHR SEHEN. Was wäre denn Ihrer Meinung nach dringend?“
„Na gut, als wenn Sie meinen das es dringend ist, kommen Sie halt in die Sprechstunde. Aber Sie müssen mit einer langen Wartezeit rechnen, da wir wirklich sehr voll sind.“, hatte die junge Dame endlich ein Einsehen mit meiner Befindlichkeit.
Nun gut, der Augenarztbesuch nahm seinen weiteren Verlauf, ich wurde ungehalten am Empfangstresen und ausnahmsweise vor gelassen.
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Musiker sein

wena UprightBei der Frage, was einen guten Musiker ausmacht gibt es verschiedene, individuelle Ansprüche zu berücksichtigen. Ihr kennt sicher alle folgende Situationen aus dem Proberaum: Der Sologitarrist hat sich ein neues Effektgerät zugelegt und probiert erstmal die Möglichkeiten des Gainreglers aus. Oder der E-Bassist prüft die Funktion und Lautstärke seines Bass-Stacks durch schnelle Slaplicks, obwohl er in eurer Band bei keinem einzigen Lied slapt. In den Pausen zwischen den Lieder trommelt der Schlagzeuger immer wieder irgendwelche Läufe und Beats die weder mit dem gerade gespielten Song noch mit dem nächsten Song etwas zu tun haben. Kurz: Die Probe ist wie immer!
ABER – muss das so sein? Ist dieses Vorgehen songdienlich und bringt es die Band, die Probe voran? Da wären wir beim Anspruch: Ich gehe in meinen weiteren Ausführungen davon aus, dass wir Musik machen mit dem Ziel einen guten Song abzuliefern und das Publikum zu unterhalten. Es gibt sicherlich verschiedene Gründe, warum man Musik macht und welchen persönlichen und emotionalen Anspruch man dabei hat. Ich habe sogar schon von Leuten gehört, die Musik machen um damit Geld zu verdienen.
In dieser Folge soll es jedoch darum gehen, was einen guten Musiker in einer Live-Band ausmacht, die vor Publikum spielen möchte und im günstigsten Fall dabei erfolgreich sein will.
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Sternenkreuzer

W115Ich habe mich eigentlich nie bewußt für Autos interessiert. Dennoch sitzt meine Erinnerung tief, wie ich als Kind mit unserem Mercedes Benz 200D groß geworden bin. Gelb mit schwarzen Möbeln. Das war schon ein prima Wagen, mit Vorglühen und einem Zughebel zum Starten. Heute weiß ich, es war die Baureihe W115. Mein Vater hat alles an ihm selbst repariert, oft lag er nach Feierabend unterm Auto vor unserer Garage und schraubte an dem Benz. Was da immer kaputt war kann ich gar nicht sagen. Vielleicht war es einfach der Rost. Wer weiß.
Einen Führerschein wollte ich auf gar keinen Fall machen. Das haben ja mit 18 alle gemacht und mir war nie danach etwas wie alle zu machen. Außerdem lehnte ich Autofahren aus umweltgründen ab, mit Friedenstaube und Stop-Nazi-Aufkleber auf meinem Samsonite Koffer. Naja, meine Eltern haben mich dann einfach angemeldet und im zweiten Anlauf bekam ich den Lappen.
Mein erster Wagen war ein Golf. Das war mit Mitte 20. Heute spricht man rückblickend von Golf I. Silber, 2 Türen – hatten meine Eltern für mich gekauft. Damit konnte ich zur Weiterlesen

Hasi

HasiHeute ist Hasi umgezogen. Hasi wohnt seit 8 Jahren bei uns. Er hat in dieser Zeit viel mitgemacht, dass sieht man ihm deutlich an. Und wir haben in dieser Zeit viel erlebt mit Hasi. Hasi ist ein Stoffhase und zugleich eine Zeitkapsel, in der wir zurückblicken können auf 8 vergangene Jahre.
Nachdem Mika ein paar Wochen auf der Welt war, hat er dieses Kuscheltier, bestehend aus einem Frotteetuch mit aufgesetztem Hasenkopf und einer Knisterkarotte in den Händen, geschenkt bekommen. Seitdem ist Hasi immer mit dabei gewesen. Waren die Nächte auch noch so unruhig und die nächtlichen Wanderungen ins elterliche Bett schnellstmöglich hinter sich zu bringen: Hasi mußte immer mit. Dafür war noch Zeit. Meist klemmte er bei Mika unter dem Arm, wenn er schlaftrunken und augenreibend zu uns ins Bett kroch oder Morgens in die Küche tapste.
Auf jeder Reise war er mit dabei. Die Rückfahrt von den Großeltern mußte er meistens in einem Postpaket verbringen, weil er vor der Abreise leider nicht auffindbar war. Die Nächte ohne Hasi waren sehr schwer, ein Einschlafen ohne das geliebte Stofftier schien oft aussichstlos.
Mit der Zeit bekam er Risse, der Stoff rieb sich glatt. Er wurde genäht und gepflastert. Vor ein paar Jahren bekam er ein neues Kleid aus Eulenstoff, der originale Stoff hatte sich in Streifen aufgelöst.
Für Mika war Hasi der treueste Begleiter. Nun sollte er heute auf seinen Wunsch mit seinen anderen Kuscheltieren in einem blauen Müllsack auf den Dachboden ziehen.
Das habe ich nicht über´s Herz gebracht. Vorerst sitzt Hasi nun im Wohnzimmerregal und wartet die weitere Entwicklung ab.

 

Der Mitmachladen

wena mit BrilleViele habe ja bereits mitbekommen, dass sich mein Leben seit einem halben Jahr grundlegend verändert hat. Ich bin nämlich jetzt zufrieden! So, nun ist es endlich heraus. Ich bin zufrieden. Und zwar mit der Gesamtsituation. So sieht das aus.
Und damit das auch so bleibt, müßt ihr alle mitmachen! Wir alle haben nämlich einen Mitmachladen in Hildesheim. Da kann jeder und jede mitmachen. Ja, auch Du!
Es ist sicherlich schwierig im Online-Zeitalter mit der permanenten Verfügbarkeit aller Artikel, eine kleine Filiale für Musikinstrumente und Zubehör am Laufen zu halten. Ein Stück weit idealistisch ist das. Klar.
Doch es macht ja Sinn und Freude, einen Laden in der Heimatstadt zu haben, wo man seine Instrumente und das Zubehör direkt bekommen kann. Ohne täglich einen Kleinlaster durch´s ganze Land schicken zu müssen und ohne unterbezahlte Paketsklaven in viel zu kalten Versandhallen zu unterstützen.
Damit jedoch die gewünschte Ware auch im Laden vorrätig ist, muss ich wissen was ihr haben wollt. Ganz einfach!
Und so kommen wir zum Mitmachladen: Im Prinzip kann ich 90 % aus der Warenvielfalt Weiterlesen

Lass uns mal abhauen

KassettenrekorderZu meinem letzten Beitrag erreichten mich zahlreiche Zuschriften. Mein Zitat: „Da kommt Wehner. Lass uns mal abhauen.“, führte zu reger Nachfrage. War ich damals ein siedlungsbekannter Schläger vor dem man Reißaus nehmen musste?
Die Antwort lautet: Nein! 1979 war es für einen siebenjährigen Jungen das größte Ziel einen Walkman zu besitzen. Sony brachte damals diese kleinen, blauen, tragbaren Kassettenabspielgeräte mit orangenen Kopfhörerpuscheln auf den Markt. Damit ließ sich überall und zu jeder Zeit Drei Fragezeichen oder noch wilderes Zeug hören.
Mein Vater stammt aus der Generation, die wo früher nichts hatten. Insofern wurde auch generell kein Geld für Schnickschnack ausgegeben. Miete, Lebensmittel vom Aldi und einmal pro Jahr drei Wochen Dänemark inklusive palettenweise River-Orange und geschmuggeltem Karlsquell Edel-Pils aus der Dose.
ALLES andere wurde selbst gemacht: Autos repariert und lackiert (wir hatten einen gelben Mercedes Strichacht der in großen Flächen gespachtelt und mit Farbe nachgepinselt wurde), Schuhe geflickt, Hosen abgenäht, eingekocht, aufgewärmt, gehortet für schlechte Zeiten und natürlich hat mein Vater auch einen eigenen Walkman hergestellt. Wozu für etwas Geld bezahlen, was wir längst im Haus hatten.
Mein Vater-Rudi-Signature-Walkmann hatte als Basis einen SL55 Automatic Weiterlesen

Spitze Namen

In meinem Bekanntenkreis häuft sich die Anzahl der Menschen die einen Spitznamen tragen. Sie hören auf klangvolle Namen wie As, Stone, Chekov, VB Kühl, Flow, Gustl, Kiddy, Treppchen, Schratze, Muffi, Lupo, Düse. Mich selbst eingeschlossen: wena.
Das ist lustig. Es klingt wie Decknamen oder wie Agenten in einem Kinderspiel. Interessanterweise handelt es sich bei den Leuten ausschließlich um Männer. Bei Frauen habe ich dieses Phänomen bisher nicht beobachten können.
Entweder werden diese Namen durch äußere Einflüsse, Verhaltensweisen oder optische Merkmale vergeben – oder die Person benennt sich selbst aus zu akzeptierenden Gründen mit einen vermeintlich cooleren Namen um.
Der Ursprung meines Spitznamens liegt in meiner Kindheit, vermutlich der Grundschulzeit. Damals wurden mein Bruder und ich die Wehners genannt. Einzeln angetroffen waren wir unabhängig voneinander Wehner. „Da kommt Wehner. Lass uns mal abhauen.“, hieß es oft. Meine Eltern mochten diese jugendliche Redensart nicht. Für sie klang es abwertend und unhöflich. Ich hatte lange Zeit keine Meinung dazu.
Irgendwann klang für mich Wehner eindeutig ausgefallener und sogar besser als Stefan. Und da in meinem Jahrgang Stefan unter den Top 5 auf der Liste der beliebtesten Weiterlesen

Entschuldigung, ich möchte eine Gitarre kaufen.

Gute 6 Wochen verbringe ich nun als Musikalienhändler einen großen Teil des Tages, der sich durch die Erlebnisse und die gewonnene Lebenserfahrung weit über den reinen Arbeitstag hinaus dehnt.
Meine bisherige Arbeit ist fast schon in Vergessenheit geraten, so selbstverständlich und natürlich fühlt sich der neue Zeitvertreib an. Habe ich vor 2 Monaten noch stundenlang vor 3 Monitoren gesessen und in Grundrissen auf dünne Linien vor schwarzem Grund gestarrt, bin ich nun permanent in Bewegung – physisch und psychisch.
Ich lerne Menschen und Situationen kennen, die mich bereichern, amüsieren, erheitern, aufregen, erregen und nachdenken lassen. Kurzum: Die Emotionen wecken.
Da ist der ältere Herr mit schütteren Händen, der eine alte Framus-Gitarre zu Hause hat und mir diese zum Ankauf anbietet: „Früher wollte ich sie immer spielen, aber ich hatte keine Zeit. Soviel Arbeit. Na, und nun bin ich zu alt. Meine Hände wollen nicht mehr. Irgendwann ist es zu spät etwas anzufangen.“
Leider handeln wir nicht mit gebrauchten Instrumenten. Aber ich biete ihm an, seine Gitarre hier im Laden für ihn zu fotografieren und einen Aushang zu machen. Seine Augen leuchten und lächelnd bedankt er sich.
Oder ein Ehepaar der ähnlichen Generation: „Entschuldigen Sie, wir haben da eine Frage. Weiterlesen

An hellen Tagen

In den letzten Tagen fahre ich sehr gerne Auto. Das ist ungewöhnlich, denn die Saison ist vorbei und meine alte S-Klasse steht in der Garage. Ich fahre also mit der Beule, der ich mich sonst strikt verweigere und bei anstehenden Fahrten meine Frau das Steuer übernimmt. Hergestellt wurde die Beule von dem Autofabrikanten Mazda. Das Gefährt ist gelinde gesagt eine Zumutung: Winzig klein, indiskutable Rundumsicht, bedrückendes Klima, peinliche verdunkelte Scheiben im Heck und nicht mal Automatik. Von Außen betrachtet sieht der Wagen so unmöglich aus, dass man am Liebsten mit geschlossenen Augen auf ihn zugehen möchte.
Dennoch fahre ich in den letzten Tagen ganz gerne damit. Ich habe nämlich ein Nebenprojekt in seinem Autoradio am Laufen. Dieses Projekt ist die neue CD von Etage.2. Einer befreundeten Musikgruppe aus Hannover in der ich auch mal eine zeitlang mitspielen durfte. Lange lag der Tonträger auf unserer Kommode im Wohnzimmer. Ich kam nicht dazu, mir die neuen Stücke mit der gebührenden Aufmerksamkeit anzuhören. „So nebenbei“ hören kam und kommt für mich nicht in Frage.
Irgendwann habe ich sie dann mit in die Beule genommen, es stand eine längere Fahrt an und ich hatte mir vorgenommen dabei der CD zu lauschen. Daraus wurde dann aber nichts, da meine Frau und ich uns über diverse Themen unterhalten haben, unser Sohn auch seine Fragen zur Welt hatte und so die Fahrt musiklos zu Ende ging. Vor ein paar Tagen war es dann aber soweit: Auf der Suche nach einer Parkscheibe in den unmöglichen Seitentaschen der Beulentür stieß ich wieder auf die CD.
Seitdem erklingt die CD bei jeder Fahrt. Manchmal schaffe ich nur 1 Lied, oft aber mehrere. Es ist schon vorgekommen, dass ich noch einen Schlenker gefahren bin, um ein Lied bis zum Ende hören zu können. Besonders gefällt mir das Lied Nummer 3: Deine Stimme. Das höre ich gerne zweimal nacheinander, weil es so gut ist. Irgendwie passt diese CD genau in den November, oder besser gesagt in die Stimmung vom November. Und die Stimmung der CD ist es, die mich immer wieder ins Auto zieht, die mich abtauchen lässt in die Welt der Etage.2 – und die mich versöhnt mit der Beule. Denn mit dieser CD wird alles auf der Welt wieder gut und hoffnungsvoll.

Etage.2 – An hellen Tagen
erscheint auf dem Label eve’s apple music production
bezogen werden kann sie über die Bandseite www.etage-2.de

 

Ich komm um zu kündigen

„Guten Morgen Herr – ah nicht so wichtig, ich wollte Ihnen nur – bleiben Sie ruhig sitzen
ich wollte nur sagen es ist wirklich alles in Ordnung, kein Grund zur Besorgnis
dieser Laden ist ein Haufen Mist und ich komm um zu kündigen.“
Bernd Begemann

CAD – Computer Aided Design. Computerunterstütztes Zeichnen. Da bin ich ziemlich gut drin. Sehr schnell, sehr genau. 1999 habe ich mir das beigebracht, während meines Studiums an der FH für Gestaltung. Nun bin ich Dipl.-Ing. Innenarchitektur. Als gelernter Tischler konnte ich mein Studium verkürzen.
Seit 2004 entwerfe ich Ladeneinrichtungen. Erst nur Bäckereien und Restaurants, dann auch Arztpraxen und Privatwohnungen, zuletzt Supermärkte. Premium-Märkte, wie es bei uns in der Branche heißt. Edeka, Rewe, Hit. Auch da bin ich ziemlich gut drin. Und dafür brauche ich CAD. Also eine ideale Voraussetzung die kommenden Jahre in einem unbefristeten, gut bezahlten Job mit Weihnachts- und Urlaubsgeld, unser Schiff sicher in den Hafen zu lenken.
Nur leider bin ich etwas unmodern. Konservativ fast schon. Ich habe Werte, innere Werte: Verbindlichkeit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit. Und ich habe ein Gewissen. In den letzten Jahren bin ich jedoch immer müder geworden. Weil meine Werte langsam eingeschlafen sind. Und mit ihnen bin ich selbst eingeschlafen.
Zu oft mussten meine Werte im Büroalltag und in der Kommunikationen mit meinem Weiterlesen