Seelenwanderung

Hildesheimer Allgemeine 2016 07 05

Hildesheimer Allgemeine Zeitung am 05. Juli 2016

Ich fliege nicht. Kategorisch. Erstens macht es für mich aus Umweltschutzgründen keinen Sinn, zweitens habe ich Höhen-/Flugangst ab ca. 1m Höhe und drittens – und das ist vielleicht der wichtigste Punkt – soll man nur so schnell Reisen, wie die Seele hinterherkommen kann.
Bei meinem Reisetempo kann mir meine Seele immer gut und sicher folgen. Nun ist sie angekommen, im HEIMATHAVEN als Projektleiter und in der KULTURFABRIK LÖSEKE als Geschäftsleitung. Das findet auch die hiesige Tageszeitung gut. Ich auch!

Warum denkt Clueso, seine Fans würden Reggae-Musik mögen?

CluesenlandNeulich habe ich online auf eins|plus das Konzert von Clueso bei Rock Am Ring 2015 gesehen. Ich mag Clueso. Besonders seine Platte So Sehr dabei und die darauffolgende Live-Version dieser Platte. Tolle Band, sehr eingespielt und groovig. Die Platte danach klang für mich zu sehr nach der Suche auf irgendwas. Ein paar schöne Stücke gibt es nun wieder auf der aktuellen Veröffentlichung Stadtrandlichter.
Doch was macht Clueso dort bei #RAR2015, wie Rock Am Ring als Hashtag unter den sozialen Netzwerken läuft? Er spielt gefühlt jeden Song in einem Reggae-Style. Äh? Was soll das? Clueso hat HipHop gemacht, Rock & Elektro. Warum jetzt Reggae? Es spricht ja nichts dagegen live auch mal eine andere Version eines Songs zu spielen. Aber Reggae? Und dann so viele, eigentlich gute Hits, in diesem Genre? Verstehe ich nicht, wozu das gut sein soll.
Das Publikum musste außerdem bei seiner Performanz auch fast immer etwas machen. So rief Clueso:“Hej Rock Am Ring, bei diesem Song müsst ihr mal nichts machen. Außer groovig Tanzen.“ Oder:“Der nächste Song ist für Euch und ihr müsst einfach nur Tanzen oder eure Hände zeigen.“
Geht so Sommer? Wird so #RAR2015 gerockt? Kleiner Tipp von meiner Seite: Reggae rockt gar nicht! Soll er auch nicht. Sonst wär´s ja kein Reggae.
Was ich im Sommer so mache? Ich finde es prima wenn die Sonne scheint, die Vögel Weiterlesen

Musik des Jahres

In diesem Jahr hat mich wie immer viel Musik begleitet. Ein paar Platten sind hängen geblieben und verdienen hier besondere Erwähnung in loser Reihenfolge.

Tom Petty – Hypnotic Eye
An dieser Platte gefällt mir besonders der Sound. Er klingt so verdammt abgehangen und cool. Da ist eine Aussage in diesem Sound, die da lautet: Macht ihr ruhig alles schön fett da in den Charts, dass hat nichts mit uns zu tun!

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Musiker sein

wena UprightBei der Frage, was einen guten Musiker ausmacht gibt es verschiedene, individuelle Ansprüche zu berücksichtigen. Ihr kennt sicher alle folgende Situationen aus dem Proberaum: Der Sologitarrist hat sich ein neues Effektgerät zugelegt und probiert erstmal die Möglichkeiten des Gainreglers aus. Oder der E-Bassist prüft die Funktion und Lautstärke seines Bass-Stacks durch schnelle Slaplicks, obwohl er in eurer Band bei keinem einzigen Lied slapt. In den Pausen zwischen den Lieder trommelt der Schlagzeuger immer wieder irgendwelche Läufe und Beats die weder mit dem gerade gespielten Song noch mit dem nächsten Song etwas zu tun haben. Kurz: Die Probe ist wie immer!
ABER – muss das so sein? Ist dieses Vorgehen songdienlich und bringt es die Band, die Probe voran? Da wären wir beim Anspruch: Ich gehe in meinen weiteren Ausführungen davon aus, dass wir Musik machen mit dem Ziel einen guten Song abzuliefern und das Publikum zu unterhalten. Es gibt sicherlich verschiedene Gründe, warum man Musik macht und welchen persönlichen und emotionalen Anspruch man dabei hat. Ich habe sogar schon von Leuten gehört, die Musik machen um damit Geld zu verdienen.
In dieser Folge soll es jedoch darum gehen, was einen guten Musiker in einer Live-Band ausmacht, die vor Publikum spielen möchte und im günstigsten Fall dabei erfolgreich sein will.
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Der Mitmachladen

wena mit BrilleViele habe ja bereits mitbekommen, dass sich mein Leben seit einem halben Jahr grundlegend verändert hat. Ich bin nämlich jetzt zufrieden! So, nun ist es endlich heraus. Ich bin zufrieden. Und zwar mit der Gesamtsituation. So sieht das aus.
Und damit das auch so bleibt, müßt ihr alle mitmachen! Wir alle haben nämlich einen Mitmachladen in Hildesheim. Da kann jeder und jede mitmachen. Ja, auch Du!
Es ist sicherlich schwierig im Online-Zeitalter mit der permanenten Verfügbarkeit aller Artikel, eine kleine Filiale für Musikinstrumente und Zubehör am Laufen zu halten. Ein Stück weit idealistisch ist das. Klar.
Doch es macht ja Sinn und Freude, einen Laden in der Heimatstadt zu haben, wo man seine Instrumente und das Zubehör direkt bekommen kann. Ohne täglich einen Kleinlaster durch´s ganze Land schicken zu müssen und ohne unterbezahlte Paketsklaven in viel zu kalten Versandhallen zu unterstützen.
Damit jedoch die gewünschte Ware auch im Laden vorrätig ist, muss ich wissen was ihr haben wollt. Ganz einfach!
Und so kommen wir zum Mitmachladen: Im Prinzip kann ich 90 % aus der Warenvielfalt Weiterlesen

Spitze Namen

In meinem Bekanntenkreis häuft sich die Anzahl der Menschen die einen Spitznamen tragen. Sie hören auf klangvolle Namen wie As, Stone, Chekov, VB Kühl, Flow, Gustl, Kiddy, Treppchen, Schratze, Muffi, Lupo, Düse. Mich selbst eingeschlossen: wena.
Das ist lustig. Es klingt wie Decknamen oder wie Agenten in einem Kinderspiel. Interessanterweise handelt es sich bei den Leuten ausschließlich um Männer. Bei Frauen habe ich dieses Phänomen bisher nicht beobachten können.
Entweder werden diese Namen durch äußere Einflüsse, Verhaltensweisen oder optische Merkmale vergeben – oder die Person benennt sich selbst aus zu akzeptierenden Gründen mit einen vermeintlich cooleren Namen um.
Der Ursprung meines Spitznamens liegt in meiner Kindheit, vermutlich der Grundschulzeit. Damals wurden mein Bruder und ich die Wehners genannt. Einzeln angetroffen waren wir unabhängig voneinander Wehner. „Da kommt Wehner. Lass uns mal abhauen.“, hieß es oft. Meine Eltern mochten diese jugendliche Redensart nicht. Für sie klang es abwertend und unhöflich. Ich hatte lange Zeit keine Meinung dazu.
Irgendwann klang für mich Wehner eindeutig ausgefallener und sogar besser als Stefan. Und da in meinem Jahrgang Stefan unter den Top 5 auf der Liste der beliebtesten Weiterlesen

Entschuldigung, ich möchte eine Gitarre kaufen.

Gute 6 Wochen verbringe ich nun als Musikalienhändler einen großen Teil des Tages, der sich durch die Erlebnisse und die gewonnene Lebenserfahrung weit über den reinen Arbeitstag hinaus dehnt.
Meine bisherige Arbeit ist fast schon in Vergessenheit geraten, so selbstverständlich und natürlich fühlt sich der neue Zeitvertreib an. Habe ich vor 2 Monaten noch stundenlang vor 3 Monitoren gesessen und in Grundrissen auf dünne Linien vor schwarzem Grund gestarrt, bin ich nun permanent in Bewegung – physisch und psychisch.
Ich lerne Menschen und Situationen kennen, die mich bereichern, amüsieren, erheitern, aufregen, erregen und nachdenken lassen. Kurzum: Die Emotionen wecken.
Da ist der ältere Herr mit schütteren Händen, der eine alte Framus-Gitarre zu Hause hat und mir diese zum Ankauf anbietet: „Früher wollte ich sie immer spielen, aber ich hatte keine Zeit. Soviel Arbeit. Na, und nun bin ich zu alt. Meine Hände wollen nicht mehr. Irgendwann ist es zu spät etwas anzufangen.“
Leider handeln wir nicht mit gebrauchten Instrumenten. Aber ich biete ihm an, seine Gitarre hier im Laden für ihn zu fotografieren und einen Aushang zu machen. Seine Augen leuchten und lächelnd bedankt er sich.
Oder ein Ehepaar der ähnlichen Generation: „Entschuldigen Sie, wir haben da eine Frage. Weiterlesen

An hellen Tagen

In den letzten Tagen fahre ich sehr gerne Auto. Das ist ungewöhnlich, denn die Saison ist vorbei und meine alte S-Klasse steht in der Garage. Ich fahre also mit der Beule, der ich mich sonst strikt verweigere und bei anstehenden Fahrten meine Frau das Steuer übernimmt. Hergestellt wurde die Beule von dem Autofabrikanten Mazda. Das Gefährt ist gelinde gesagt eine Zumutung: Winzig klein, indiskutable Rundumsicht, bedrückendes Klima, peinliche verdunkelte Scheiben im Heck und nicht mal Automatik. Von Außen betrachtet sieht der Wagen so unmöglich aus, dass man am Liebsten mit geschlossenen Augen auf ihn zugehen möchte.
Dennoch fahre ich in den letzten Tagen ganz gerne damit. Ich habe nämlich ein Nebenprojekt in seinem Autoradio am Laufen. Dieses Projekt ist die neue CD von Etage.2. Einer befreundeten Musikgruppe aus Hannover in der ich auch mal eine zeitlang mitspielen durfte. Lange lag der Tonträger auf unserer Kommode im Wohnzimmer. Ich kam nicht dazu, mir die neuen Stücke mit der gebührenden Aufmerksamkeit anzuhören. „So nebenbei“ hören kam und kommt für mich nicht in Frage.
Irgendwann habe ich sie dann mit in die Beule genommen, es stand eine längere Fahrt an und ich hatte mir vorgenommen dabei der CD zu lauschen. Daraus wurde dann aber nichts, da meine Frau und ich uns über diverse Themen unterhalten haben, unser Sohn auch seine Fragen zur Welt hatte und so die Fahrt musiklos zu Ende ging. Vor ein paar Tagen war es dann aber soweit: Auf der Suche nach einer Parkscheibe in den unmöglichen Seitentaschen der Beulentür stieß ich wieder auf die CD.
Seitdem erklingt die CD bei jeder Fahrt. Manchmal schaffe ich nur 1 Lied, oft aber mehrere. Es ist schon vorgekommen, dass ich noch einen Schlenker gefahren bin, um ein Lied bis zum Ende hören zu können. Besonders gefällt mir das Lied Nummer 3: Deine Stimme. Das höre ich gerne zweimal nacheinander, weil es so gut ist. Irgendwie passt diese CD genau in den November, oder besser gesagt in die Stimmung vom November. Und die Stimmung der CD ist es, die mich immer wieder ins Auto zieht, die mich abtauchen lässt in die Welt der Etage.2 – und die mich versöhnt mit der Beule. Denn mit dieser CD wird alles auf der Welt wieder gut und hoffnungsvoll.

Etage.2 – An hellen Tagen
erscheint auf dem Label eve’s apple music production
bezogen werden kann sie über die Bandseite www.etage-2.de