Licht aus

Neulich ging bei mir das Licht aus. An einem Morgen im August konnte ich plötzlich mit meinem linken Auge nichts mehr sehen. Herzrasen, Atemnot und Panik. Meine Frau war schon aus dem Haus und ich griff zum Telefon um meinen Augenarzt anzurufen. Der war allerdings im Urlaub und sein Anrufbeantworter verwies auf seine Vertretung in Notfällen. Die Sprechstundenhilfe seiner Vertretung fragte mich als Erstes, ob ich denn auch ein Notfall sei. „Ich denke schon.“, erwiderte ich. „Da ich nämlich auf meinem linken Auge nichts mehr sehen kann.“
„Wie lange haben Sie das schon?“, fragte die Dame am Apparat.
„Seit heute Morgen.“, antwortete ich.
„Und ist es denn wirklich dringend? Wir sind nämlich schon sehr voll in der Praxis.“, vergewisserte sie sich.
„Ja, ich denke es ist dringend.“, bestätigte ich. „Denn ich kann auf meinem linken Auge nichts mehr sehen. Wenn Sie verstehen was ich meine. Und mit nichts mehr sehen meine ich, ich KANN NICHTS MEHR SEHEN. Was wäre denn Ihrer Meinung nach dringend?“
„Na gut, als wenn Sie meinen das es dringend ist, kommen Sie halt in die Sprechstunde. Aber Sie müssen mit einer langen Wartezeit rechnen, da wir wirklich sehr voll sind.“, hatte die junge Dame endlich ein Einsehen mit meiner Befindlichkeit.
Nun gut, der Augenarztbesuch nahm seinen weiteren Verlauf, ich wurde ungehalten am Empfangstresen und ausnahmsweise vor gelassen.
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Sternenkreuzer

W115Ich habe mich eigentlich nie bewußt für Autos interessiert. Dennoch sitzt meine Erinnerung tief, wie ich als Kind mit unserem Mercedes Benz 200D groß geworden bin. Gelb mit schwarzen Möbeln. Das war schon ein prima Wagen, mit Vorglühen und einem Zughebel zum Starten. Heute weiß ich, es war die Baureihe W115. Mein Vater hat alles an ihm selbst repariert, oft lag er nach Feierabend unterm Auto vor unserer Garage und schraubte an dem Benz. Was da immer kaputt war kann ich gar nicht sagen. Vielleicht war es einfach der Rost. Wer weiß.
Einen Führerschein wollte ich auf gar keinen Fall machen. Das haben ja mit 18 alle gemacht und mir war nie danach etwas wie alle zu machen. Außerdem lehnte ich Autofahren aus umweltgründen ab, mit Friedenstaube und Stop-Nazi-Aufkleber auf meinem Samsonite Koffer. Naja, meine Eltern haben mich dann einfach angemeldet und im zweiten Anlauf bekam ich den Lappen.
Mein erster Wagen war ein Golf. Das war mit Mitte 20. Heute spricht man rückblickend von Golf I. Silber, 2 Türen – hatten meine Eltern für mich gekauft. Damit konnte ich zur Weiterlesen

Hasi

HasiHeute ist Hasi umgezogen. Hasi wohnt seit 8 Jahren bei uns. Er hat in dieser Zeit viel mitgemacht, dass sieht man ihm deutlich an. Und wir haben in dieser Zeit viel erlebt mit Hasi. Hasi ist ein Stoffhase und zugleich eine Zeitkapsel, in der wir zurückblicken können auf 8 vergangene Jahre.
Nachdem Mika ein paar Wochen auf der Welt war, hat er dieses Kuscheltier, bestehend aus einem Frotteetuch mit aufgesetztem Hasenkopf und einer Knisterkarotte in den Händen, geschenkt bekommen. Seitdem ist Hasi immer mit dabei gewesen. Waren die Nächte auch noch so unruhig und die nächtlichen Wanderungen ins elterliche Bett schnellstmöglich hinter sich zu bringen: Hasi mußte immer mit. Dafür war noch Zeit. Meist klemmte er bei Mika unter dem Arm, wenn er schlaftrunken und augenreibend zu uns ins Bett kroch oder Morgens in die Küche tapste.
Auf jeder Reise war er mit dabei. Die Rückfahrt von den Großeltern mußte er meistens in einem Postpaket verbringen, weil er vor der Abreise leider nicht auffindbar war. Die Nächte ohne Hasi waren sehr schwer, ein Einschlafen ohne das geliebte Stofftier schien oft aussichstlos.
Mit der Zeit bekam er Risse, der Stoff rieb sich glatt. Er wurde genäht und gepflastert. Vor ein paar Jahren bekam er ein neues Kleid aus Eulenstoff, der originale Stoff hatte sich in Streifen aufgelöst.
Für Mika war Hasi der treueste Begleiter. Nun sollte er heute auf seinen Wunsch mit seinen anderen Kuscheltieren in einem blauen Müllsack auf den Dachboden ziehen.
Das habe ich nicht über´s Herz gebracht. Vorerst sitzt Hasi nun im Wohnzimmerregal und wartet die weitere Entwicklung ab.

 

Lass uns mal abhauen

KassettenrekorderZu meinem letzten Beitrag erreichten mich zahlreiche Zuschriften. Mein Zitat: „Da kommt Wehner. Lass uns mal abhauen.“, führte zu reger Nachfrage. War ich damals ein siedlungsbekannter Schläger vor dem man Reißaus nehmen musste?
Die Antwort lautet: Nein! 1979 war es für einen siebenjährigen Jungen das größte Ziel einen Walkman zu besitzen. Sony brachte damals diese kleinen, blauen, tragbaren Kassettenabspielgeräte mit orangenen Kopfhörerpuscheln auf den Markt. Damit ließ sich überall und zu jeder Zeit Drei Fragezeichen oder noch wilderes Zeug hören.
Mein Vater stammt aus der Generation, die wo früher nichts hatten. Insofern wurde auch generell kein Geld für Schnickschnack ausgegeben. Miete, Lebensmittel vom Aldi und einmal pro Jahr drei Wochen Dänemark inklusive palettenweise River-Orange und geschmuggeltem Karlsquell Edel-Pils aus der Dose.
ALLES andere wurde selbst gemacht: Autos repariert und lackiert (wir hatten einen gelben Mercedes Strichacht der in großen Flächen gespachtelt und mit Farbe nachgepinselt wurde), Schuhe geflickt, Hosen abgenäht, eingekocht, aufgewärmt, gehortet für schlechte Zeiten und natürlich hat mein Vater auch einen eigenen Walkman hergestellt. Wozu für etwas Geld bezahlen, was wir längst im Haus hatten.
Mein Vater-Rudi-Signature-Walkmann hatte als Basis einen SL55 Automatic Weiterlesen

Spitze Namen

In meinem Bekanntenkreis häuft sich die Anzahl der Menschen die einen Spitznamen tragen. Sie hören auf klangvolle Namen wie As, Stone, Chekov, VB Kühl, Flow, Gustl, Kiddy, Treppchen, Schratze, Muffi, Lupo, Düse. Mich selbst eingeschlossen: wena.
Das ist lustig. Es klingt wie Decknamen oder wie Agenten in einem Kinderspiel. Interessanterweise handelt es sich bei den Leuten ausschließlich um Männer. Bei Frauen habe ich dieses Phänomen bisher nicht beobachten können.
Entweder werden diese Namen durch äußere Einflüsse, Verhaltensweisen oder optische Merkmale vergeben – oder die Person benennt sich selbst aus zu akzeptierenden Gründen mit einen vermeintlich cooleren Namen um.
Der Ursprung meines Spitznamens liegt in meiner Kindheit, vermutlich der Grundschulzeit. Damals wurden mein Bruder und ich die Wehners genannt. Einzeln angetroffen waren wir unabhängig voneinander Wehner. „Da kommt Wehner. Lass uns mal abhauen.“, hieß es oft. Meine Eltern mochten diese jugendliche Redensart nicht. Für sie klang es abwertend und unhöflich. Ich hatte lange Zeit keine Meinung dazu.
Irgendwann klang für mich Wehner eindeutig ausgefallener und sogar besser als Stefan. Und da in meinem Jahrgang Stefan unter den Top 5 auf der Liste der beliebtesten Weiterlesen

Süßes oder Saures

ZitronenVor unserer Tür stehen drei Grundschüler in Alltagskleidung. Sie tragen Stoffbeutel in Ihren Händen. Es ist Abend. Als ich die Tür öffne nuschelt einer Richtung Boden „Süßes oder Saures“.
Ich rufe Mika aus der Küche, ob wir Süßes oder Saures haben. Mika kommt mit einem Teller frisch aufgeschnittener Zitronen zur Tür.
„Was ist das?“, fragt ein Grundschüler. „Zitronen“, sage ich. Und dann, nachdem bei dem Jungen nichts reagiert: „Etwas Saures.“ Die Jungen nehmen also die Zitronenstücke und sind kurz davor, diese in Ihre bereits vollen Stoffbeutel zu stecken. „Die sind zum gleich essen.“, sage ich. „Ah. Sauer“, sagen die Jungs beim Weggehen.
Ob sie den Witz verstanden haben, weiß ich nicht. Wir haben den Witz jedoch noch drei mal gemacht. Mika und ich haben uns köstlich amüsiert. Es war Mikas Idee. Ich fand sie grandios!
Dieses lächerliche Halloween. Da kommen doch tatsächlich Kinder zu unserer Tür und wollen „Süßes Geld“ von uns. Nicht mal verkleidet sind die. Welche Eltern schicken die eigentlich los auf die Straße? Vermutlich sind das die Eltern, die sich insgeheim erhoffen ihre Kinder bringen Kippen mit. Naja. Bei uns gibt es an Halloween jedenfalls Zitronen.