Der Mitmachladen

wena mit BrilleViele habe ja bereits mitbekommen, dass sich mein Leben seit einem halben Jahr grundlegend verändert hat. Ich bin nämlich jetzt zufrieden! So, nun ist es endlich heraus. Ich bin zufrieden. Und zwar mit der Gesamtsituation. So sieht das aus.
Und damit das auch so bleibt, müßt ihr alle mitmachen! Wir alle haben nämlich einen Mitmachladen in Hildesheim. Da kann jeder und jede mitmachen. Ja, auch Du!
Es ist sicherlich schwierig im Online-Zeitalter mit der permanenten Verfügbarkeit aller Artikel, eine kleine Filiale für Musikinstrumente und Zubehör am Laufen zu halten. Ein Stück weit idealistisch ist das. Klar.
Doch es macht ja Sinn und Freude, einen Laden in der Heimatstadt zu haben, wo man seine Instrumente und das Zubehör direkt bekommen kann. Ohne täglich einen Kleinlaster durch´s ganze Land schicken zu müssen und ohne unterbezahlte Paketsklaven in viel zu kalten Versandhallen zu unterstützen.
Damit jedoch die gewünschte Ware auch im Laden vorrätig ist, muss ich wissen was ihr haben wollt. Ganz einfach!
Und so kommen wir zum Mitmachladen: Im Prinzip kann ich 90 % aus der Warenvielfalt Weiterlesen

Lass uns mal abhauen

KassettenrekorderZu meinem letzten Beitrag erreichten mich zahlreiche Zuschriften. Mein Zitat: „Da kommt Wehner. Lass uns mal abhauen.“, führte zu reger Nachfrage. War ich damals ein siedlungsbekannter Schläger vor dem man Reißaus nehmen musste?
Die Antwort lautet: Nein! 1979 war es für einen siebenjährigen Jungen das größte Ziel einen Walkman zu besitzen. Sony brachte damals diese kleinen, blauen, tragbaren Kassettenabspielgeräte mit orangenen Kopfhörerpuscheln auf den Markt. Damit ließ sich überall und zu jeder Zeit Drei Fragezeichen oder noch wilderes Zeug hören.
Mein Vater stammt aus der Generation, die wo früher nichts hatten. Insofern wurde auch generell kein Geld für Schnickschnack ausgegeben. Miete, Lebensmittel vom Aldi und einmal pro Jahr drei Wochen Dänemark inklusive palettenweise River-Orange und geschmuggeltem Karlsquell Edel-Pils aus der Dose.
ALLES andere wurde selbst gemacht: Autos repariert und lackiert (wir hatten einen gelben Mercedes Strichacht der in großen Flächen gespachtelt und mit Farbe nachgepinselt wurde), Schuhe geflickt, Hosen abgenäht, eingekocht, aufgewärmt, gehortet für schlechte Zeiten und natürlich hat mein Vater auch einen eigenen Walkman hergestellt. Wozu für etwas Geld bezahlen, was wir längst im Haus hatten.
Mein Vater-Rudi-Signature-Walkmann hatte als Basis einen SL55 Automatic Weiterlesen

Spitze Namen

In meinem Bekanntenkreis häuft sich die Anzahl der Menschen die einen Spitznamen tragen. Sie hören auf klangvolle Namen wie As, Stone, Chekov, VB Kühl, Flow, Gustl, Kiddy, Treppchen, Schratze, Muffi, Lupo, Düse. Mich selbst eingeschlossen: wena.
Das ist lustig. Es klingt wie Decknamen oder wie Agenten in einem Kinderspiel. Interessanterweise handelt es sich bei den Leuten ausschließlich um Männer. Bei Frauen habe ich dieses Phänomen bisher nicht beobachten können.
Entweder werden diese Namen durch äußere Einflüsse, Verhaltensweisen oder optische Merkmale vergeben – oder die Person benennt sich selbst aus zu akzeptierenden Gründen mit einen vermeintlich cooleren Namen um.
Der Ursprung meines Spitznamens liegt in meiner Kindheit, vermutlich der Grundschulzeit. Damals wurden mein Bruder und ich die Wehners genannt. Einzeln angetroffen waren wir unabhängig voneinander Wehner. „Da kommt Wehner. Lass uns mal abhauen.“, hieß es oft. Meine Eltern mochten diese jugendliche Redensart nicht. Für sie klang es abwertend und unhöflich. Ich hatte lange Zeit keine Meinung dazu.
Irgendwann klang für mich Wehner eindeutig ausgefallener und sogar besser als Stefan. Und da in meinem Jahrgang Stefan unter den Top 5 auf der Liste der beliebtesten Weiterlesen

Entschuldigung, ich möchte eine Gitarre kaufen.

Gute 6 Wochen verbringe ich nun als Musikalienhändler einen großen Teil des Tages, der sich durch die Erlebnisse und die gewonnene Lebenserfahrung weit über den reinen Arbeitstag hinaus dehnt.
Meine bisherige Arbeit ist fast schon in Vergessenheit geraten, so selbstverständlich und natürlich fühlt sich der neue Zeitvertreib an. Habe ich vor 2 Monaten noch stundenlang vor 3 Monitoren gesessen und in Grundrissen auf dünne Linien vor schwarzem Grund gestarrt, bin ich nun permanent in Bewegung – physisch und psychisch.
Ich lerne Menschen und Situationen kennen, die mich bereichern, amüsieren, erheitern, aufregen, erregen und nachdenken lassen. Kurzum: Die Emotionen wecken.
Da ist der ältere Herr mit schütteren Händen, der eine alte Framus-Gitarre zu Hause hat und mir diese zum Ankauf anbietet: „Früher wollte ich sie immer spielen, aber ich hatte keine Zeit. Soviel Arbeit. Na, und nun bin ich zu alt. Meine Hände wollen nicht mehr. Irgendwann ist es zu spät etwas anzufangen.“
Leider handeln wir nicht mit gebrauchten Instrumenten. Aber ich biete ihm an, seine Gitarre hier im Laden für ihn zu fotografieren und einen Aushang zu machen. Seine Augen leuchten und lächelnd bedankt er sich.
Oder ein Ehepaar der ähnlichen Generation: „Entschuldigen Sie, wir haben da eine Frage. Weiterlesen

An hellen Tagen

In den letzten Tagen fahre ich sehr gerne Auto. Das ist ungewöhnlich, denn die Saison ist vorbei und meine alte S-Klasse steht in der Garage. Ich fahre also mit der Beule, der ich mich sonst strikt verweigere und bei anstehenden Fahrten meine Frau das Steuer übernimmt. Hergestellt wurde die Beule von dem Autofabrikanten Mazda. Das Gefährt ist gelinde gesagt eine Zumutung: Winzig klein, indiskutable Rundumsicht, bedrückendes Klima, peinliche verdunkelte Scheiben im Heck und nicht mal Automatik. Von Außen betrachtet sieht der Wagen so unmöglich aus, dass man am Liebsten mit geschlossenen Augen auf ihn zugehen möchte.
Dennoch fahre ich in den letzten Tagen ganz gerne damit. Ich habe nämlich ein Nebenprojekt in seinem Autoradio am Laufen. Dieses Projekt ist die neue CD von Etage.2. Einer befreundeten Musikgruppe aus Hannover in der ich auch mal eine zeitlang mitspielen durfte. Lange lag der Tonträger auf unserer Kommode im Wohnzimmer. Ich kam nicht dazu, mir die neuen Stücke mit der gebührenden Aufmerksamkeit anzuhören. „So nebenbei“ hören kam und kommt für mich nicht in Frage.
Irgendwann habe ich sie dann mit in die Beule genommen, es stand eine längere Fahrt an und ich hatte mir vorgenommen dabei der CD zu lauschen. Daraus wurde dann aber nichts, da meine Frau und ich uns über diverse Themen unterhalten haben, unser Sohn auch seine Fragen zur Welt hatte und so die Fahrt musiklos zu Ende ging. Vor ein paar Tagen war es dann aber soweit: Auf der Suche nach einer Parkscheibe in den unmöglichen Seitentaschen der Beulentür stieß ich wieder auf die CD.
Seitdem erklingt die CD bei jeder Fahrt. Manchmal schaffe ich nur 1 Lied, oft aber mehrere. Es ist schon vorgekommen, dass ich noch einen Schlenker gefahren bin, um ein Lied bis zum Ende hören zu können. Besonders gefällt mir das Lied Nummer 3: Deine Stimme. Das höre ich gerne zweimal nacheinander, weil es so gut ist. Irgendwie passt diese CD genau in den November, oder besser gesagt in die Stimmung vom November. Und die Stimmung der CD ist es, die mich immer wieder ins Auto zieht, die mich abtauchen lässt in die Welt der Etage.2 – und die mich versöhnt mit der Beule. Denn mit dieser CD wird alles auf der Welt wieder gut und hoffnungsvoll.

Etage.2 – An hellen Tagen
erscheint auf dem Label eve’s apple music production
bezogen werden kann sie über die Bandseite www.etage-2.de

 

Ich komm um zu kündigen

„Guten Morgen Herr – ah nicht so wichtig, ich wollte Ihnen nur – bleiben Sie ruhig sitzen
ich wollte nur sagen es ist wirklich alles in Ordnung, kein Grund zur Besorgnis
dieser Laden ist ein Haufen Mist und ich komm um zu kündigen.“
Bernd Begemann

CAD – Computer Aided Design. Computerunterstütztes Zeichnen. Da bin ich ziemlich gut drin. Sehr schnell, sehr genau. 1999 habe ich mir das beigebracht, während meines Studiums an der FH für Gestaltung. Nun bin ich Dipl.-Ing. Innenarchitektur. Als gelernter Tischler konnte ich mein Studium verkürzen.
Seit 2004 entwerfe ich Ladeneinrichtungen. Erst nur Bäckereien und Restaurants, dann auch Arztpraxen und Privatwohnungen, zuletzt Supermärkte. Premium-Märkte, wie es bei uns in der Branche heißt. Edeka, Rewe, Hit. Auch da bin ich ziemlich gut drin. Und dafür brauche ich CAD. Also eine ideale Voraussetzung die kommenden Jahre in einem unbefristeten, gut bezahlten Job mit Weihnachts- und Urlaubsgeld, unser Schiff sicher in den Hafen zu lenken.
Nur leider bin ich etwas unmodern. Konservativ fast schon. Ich habe Werte, innere Werte: Verbindlichkeit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit. Und ich habe ein Gewissen. In den letzten Jahren bin ich jedoch immer müder geworden. Weil meine Werte langsam eingeschlafen sind. Und mit ihnen bin ich selbst eingeschlafen.
Zu oft mussten meine Werte im Büroalltag und in der Kommunikationen mit meinem Weiterlesen

Süßes oder Saures

ZitronenVor unserer Tür stehen drei Grundschüler in Alltagskleidung. Sie tragen Stoffbeutel in Ihren Händen. Es ist Abend. Als ich die Tür öffne nuschelt einer Richtung Boden „Süßes oder Saures“.
Ich rufe Mika aus der Küche, ob wir Süßes oder Saures haben. Mika kommt mit einem Teller frisch aufgeschnittener Zitronen zur Tür.
„Was ist das?“, fragt ein Grundschüler. „Zitronen“, sage ich. Und dann, nachdem bei dem Jungen nichts reagiert: „Etwas Saures.“ Die Jungen nehmen also die Zitronenstücke und sind kurz davor, diese in Ihre bereits vollen Stoffbeutel zu stecken. „Die sind zum gleich essen.“, sage ich. „Ah. Sauer“, sagen die Jungs beim Weggehen.
Ob sie den Witz verstanden haben, weiß ich nicht. Wir haben den Witz jedoch noch drei mal gemacht. Mika und ich haben uns köstlich amüsiert. Es war Mikas Idee. Ich fand sie grandios!
Dieses lächerliche Halloween. Da kommen doch tatsächlich Kinder zu unserer Tür und wollen „Süßes Geld“ von uns. Nicht mal verkleidet sind die. Welche Eltern schicken die eigentlich los auf die Straße? Vermutlich sind das die Eltern, die sich insgeheim erhoffen ihre Kinder bringen Kippen mit. Naja. Bei uns gibt es an Halloween jedenfalls Zitronen.